Frauen setzte man kein Denkmal

Eine Führung zu fast keinen Denkmälern
Bei dieser Führung muss ich die Phantasie meiner Gäste bemühen. Denn Denkmäler über Frauen sind äußerst selten: gerade einmal zwei Kaiserinnen haben es zu Denkmalruhm geschafft. Vielleicht könnte man noch die eine oder andere Göttin, die unser Stadtbild belebt, dazu nehmen.

Also müssen wir uns an den Stätten orientieren, die mit Frauen zusammenhängen: mit der Casa Piccola, wo der erfolgreiche Modesalon der Schwestern Flöge war. Mit im Bunde war Gustav Klimt.

Beim Denkmal Maria Theresias wollen wir hinterfragen, wie sie in die Gesellschaft von so vielen Kriegsherren geraten ist, sie, die reformfreudige Landesmutter. Beim Parlament suchen wir in der Geschichte vergeblich die Politikerin – erst in der ersten Republik zog eine solche ins Hohe Haus ein.

Weiter zur Universität: In den Wandelgängen mit den berühmten Mitgliedern der Wiener Universität findet sich nur eine Frau: Marie von Ebner Eschenbach – und das wegen eines Ehrendoktorates. Das weibliche Geschlecht war unerwünscht unter den männlich dominierten Professoren, das Doktorat war ihnen hier nicht möglich, studieren musste eine Frau auswärts.

Nochmals eine Kaiserin mit einem Denkmal: wir hinterfragen die Persönlichkeit der Kaiserin Elisabeth. Auch eine Nobelpreisträgerin begegnet uns bei unserem Spaziergang, natürlich ohne Denkmal. Die erste Frau Direktor an einer öffentlichen höheren Schule (sie musste sich offiziell von einem Mann vertreten lassen) und die erste Kommerzialrätin werden vorgestellt (selbst das Rechtschreibprogramm im Computer sperrt sich gegen diesen Titel).

Den Hübschlerinnen am Graben setzt sicher niemand ein Denkmal. Keine Gedenktafel hält die Erinnerung an die unbekannten Trümmerfrauen wach, die nach dem Krieg Schutt und Ziegel wegtransportierten. Für sie ist wohl unser wieder aufgebauter Stephansdom das schönste Denkmal.

Treffpunkt: vor dem Maria Theresien Denkmal