Der Biedermeierfriedhof von St. Marx

Einer der zauberhaftesten Wiener Friedhöfe ist der Biedermeierfriedhof von St. Marx. Hier könnte man das 21. Jahrhundert vergessen. Schon an die 130 Jahre ist hier niemand mehr begraben worden, die Natur hat sich das Terrain zurückerobert mit verwilderten Fliederbüschen. Kommt man im Frühling auf diesen Friedhof, begleitet eine Duftwolke den Besucher.

Die „Bewohner“ dieses Friedhofs sind meistens weniger berühmte Leute gewesen. Einer aber bildet den Anziehungspunkt für Besucher des Friedhofes: Wolfgang Amadeus Mozart.

Als Kaiser Joseph II die Friedhöfe außerhalb des Linienwalls anlegen ließ, hat er vom Zentrum der Altstadt bis zu den Vorstädten tortenstückartige Segmente jeweils einem der Friedhöfe zugeordnet. Und so liegen auf dem Marxer Friedhof hauptsächlich die Toten der Vorstadt Landstraße und Leopoldstadt, also ungefähr Teile des heutigen 1., 2. und 3. Bezirks. Daher „schlafen“ hier unter anderem Zirkusleute, Gastwirte, Ringelspielbesitzer, Theaterleute und auch Künstler ihren letzten Schlaf. Hier sind nicht die erste Garnitur der Gesellschaft interessant, sondern die kleinen Leute mit ihren Geschichten der Vorstadt.



Einige der Toten bekamen Ehrengräber am Zentralfriedhof. Man konnte für den neuen Ehrengräberhain ja nicht auf die berühmten Toten der Zukunft warten, man brauchte sie gleich und in den Vororte-Friedhöfen fand sich einiges. Nur den musikalischen Regenten der Wiener Musikgeschichte musste man belassen, wo er beigesetzt wurde: Wolfgang Amadeus Mozarts Grab war nicht mehr zu finden. Daher mag er auf dem kleinen St. Marxer Friedhof in Frieden ruhen.

Besonders schön ist der Friedhof im Mai und im Herbst. Lassen Sie sich bei einer stimmungsvollen Führung in die Atmosphäre des Biedermeier entführen, die alten Grabsteine entziffern, die Symbole deuten, hören Sie die Geschichten und Schicksale.

Treffpunkt: Wien 3., Leberstraße 6-8