Erst wann’s aus wird sein – Wien & der Tod

Der Zentralfriedhof, das Feuerheiligtum und das Wienerlied vom Tod
Gegenüber der Stadt der Lebenden im Westen liegt die Stadt der Toten im Osten Wiens. Sie ist nach städtebaulichen Gesichtspunkten angelegt, wie eine Großstadt mit einer Hauptachse, mit Diagonalwegen, mit rasterförmigen Gruppen der Gräber, die eine Orientierung ermöglichen. Der Zentralfriedhof ist mit seinen 2,5 km² der zweitgrößte Friedhof Europas.

Zunächst betritt man das Reich der Toten durch ein repräsentatives Tor und steht auf der Hauptstraße, der Mittelachse der Stadt. Am Ende leuchtet die mächtige Kuppel der Luegerkirche als visueller Mittelpunkt. Lässt man sich von der Hauptachse leiten, so wird man von einem Halbrund von Grüften empfangen. Hier liegen die „Fürsten der Ringstraße“, jene Bourgeoisie, die auch in der Stadt der Lebenden hervorragende Adressen hatten. Es sind die Honoratioren, die den Besucher empfangen: Industrielle, Bankiers, Mäzene der Kunst. Dahinter: die Ehrengräber - Spiegel der Kultur und Politik im 19. und 20. Jahrhundert.

Unter den Ehrengräbern sind berühmte, aber auch bereits vergessene Namen und die Größe des Grabmals ist nicht immer Beweis für eine große Persönlichkeit.

Ziel der Hauptstraße ist die Kirche des Architekten Max Hegerle – eine „Kathedrale der Toten“ – Begräbnisstätte eines der umstrittensten Bürgermeister der Wiener Geschichte, Dr. Karl Lueger. Unabhängig davon ist sie aber eine der schönsten Jugendstilkirchen in Wien.

Das Krematorium liegt dieser bürgerlichen Ruhestätte gegenüber – fast wie ein politischer Protest der Arbeiterklasse gegen die Bourgeoisie. Die Idee des „Feuerheiligtums“ steht hinter der interessanten Art Déco Anlage des Architekten Clemens Holzmeister.

Den Ausklang der Führung bildet – natürlich in einem Wirtshaus – die Auseinandersetzung des Wienerliedes mit dem Tod: wie ungewöhnlich wird hier die Angst vor den letzten Dingen bekämpft…

Führung: Ursula Schwarz
Musik: Ingomar Kmentt, Sänger
Treffpunkt: Zentralfriedhof, II. Tor (Haupttor)
Dauer: 3 Stunden
Beitrag: € 20,- (inkl. Führung und Musik)

© Michael Seirer