Vom Schottentor zum Drachengassl

Fragt man einen Wiener, eine Wienerin wie der Platz vor der Votivkirche heißt, so kommt oft eine nachdenkliche Stille, bevor man dann oft meint, das wäre einfach der Platz vor der Votivkirche. Dieser Platz ist namentlich nie im Sprachgebrauch der Wiener verankert worden, weil er allzu oft seinen Namen gewechselt hat: in der Monarchie hieß er Maximiliansplatz, in der ersten Republik Freiheitsplatz, dann kam die Freiheit außer Mode, in der Zeit des Austrofaschismus hieß er Dollfußplatz, dann kam Österreich außer Mode und er hieß Hermann Göring Platz, dann kam das Tausendjährige Reich außer Mode und er hieß wieder einmal Freiheitsplatz, heute heißt er zum Teil Rooseveltplatz und zum Teil Sigmund Freud Platz. Straßennamen sind ein Spiegel der Geschichte.



Oft weisen die Namen der Altstadt auf Handwerke oder Märkte hin, die einstmals dort situiert waren, oft haben sie Namen berühmter Persönlichkeiten, die nicht immer Jahrhunderte denselben Stellenwert haben – wie Dr. Karl Lueger - neuerdings auf Universitätsring umgetauft werden soll. Manchmal weisen Straßennamen aber auch auf jenen geheimnisvollen Genius loci hin, der in alten Städten Informationen behält, die schwer entschlüsselbar sind und die oft nur atmosphärisch erfahrbar sind.

Vom Hof zum Hundsfottgässl ist es nur ein kleiner Schritt, durchs Ofenloch kam man zu den Juden und der Fleischmarkt saß den Griechen vor der Nase. Die Löwelstraße hat nichts mit wilden Bestien zu tun und der Ballhausplatz nichts mit Tanzen – oder doch? Der Graben ist bretteleben, dafür aber im Haarhof noch erhalten. Der hat aber nichts mit den Frisuren der Damen zu tun. Was könnte wohl der Blutgasse ihren grausamen Namen geben? Was steckt wohl hinter dem Kühfußgassel und wer lugt wohl auf dem Lugeck ums Eck?

Die Altstadt trägt mit ihren Gassennamen Geschichte und Geschichten durch die Jahrhunderte. Lassen wir uns diese Geschichten erzählen.

Treffpunkt: Schottengasse Ecke Mölkerstiege