Blühender Jugendstil zwischen Stadtpark und Hietzing

Um die Jahrhundertwende wurde der früher so gefährliche Wienfluss in ein steinernes Bett gezwungen und noch dazu auf dem Karlsplatz 4 km unter die Erde verlegt. Beim Stadtpark entspringt er neuerlich als symbolische Quelle und wird festlich empfangen von Friedrich Ohmanns Jugendstilportal. Weich und fließend sind da die Linien, anmutig die Frauenfiguren mit den transparenten Kleidern, fließend auch die Wasserkaskaden aus Stein, wellenförmig der Kratzputz entlang der Mauer. Wasser ist hier das Thema an den Wasserspeiern der Pavillons, an den mit Wasserschlangen verzierten Vasen, sogar an den Türschnallen.

Nach einem Besuch beim Jugendstil-Denkmal von Johann Strauß geht es mit der Stadtbahn – heute U4 – zu den Wienzeile-Häusern, auf deren Fassaden, nur unterbrochen vom Rhythmus der Fenster, goldene Palmenzweige und wilde Rosenranken blühen.



Danach geht es in den eleganten 13. Bezirk. Die kaiserliche Residenz Schönbrunn ist von einem prachtvollen Villenviertel umgeben, das ganz besonders reich an floralem Jugendstilvillen ist. Hier ist das „Schokoladehaus“ zu finden, dessen dekorative braune Keramikfassade appetitliche Assoziationen zulässt. Besonders blumenumrankt präsentiert sich die Villa Schopp und die Villa Primavesi von Josef Hoffmann erfreut mit herzerlförmigen Lindenblättchen. Als Kontrapunkt, wenn noch Zeit bleibt, kann noch das erste Terrassenhaus von Adolf Loos mit seinen nüchternen Kuben gezeigt werden – ein Skandal in jenen „dekorativen“ Zeiten.

Die Spannungen zwischen den Fronten der Kunstszene um 1900, zwischen Konstruktion Dekoration, äußert sich in der bissigen Formulierung Adolf Loos‘ bei der Berufung von Josef Hoffmann als Lehrer an die Akademie der Angewandten Kunst: „Jetzt hat man einen Dekorateur zum Universitätsprofessor gemacht!“

Treffpunkt: vor der U4 Station Stadtpark, Ausgang Johannesgasse