Jugendstil, & Jahrhundertwende – vom Looshaus zur Postsparkasse

Skandal am Michaelerplatz! Das Haus ohne Augenbrauen, das Kanaldeckelhaus! Die Schöpfung Adolf Loos‘ konnte über ungnädige Kritik nicht klagen, als das Gerüst abgebaut war. Trotzig behauptet sich das bürgerliche Geschäftshaus der Kleiderfirma Goldmann & Salatsch mit seiner „dekorfreien“ Architektur gegenüber den Repräsentationsbauten von Staat und Stadt: dem Michaelertor und der Michaelerkirche. Provokativ antwortet das Looshaus auf die sakralen Bauelemente des Platzes mit mächtigen monolithischen Säulen aus Marmor. Was regt die Gesellschaft,, regt den Kaiser an diesem provokanten Bau auf? Das 19. Jahrhundert betont an der Fassade, wo die wichtigsten Leute wohnen. Loos, begeistert von der amerikanischen Architektur, rollt sein Haus von innen nach außen auf, er betont nur die Funktion, also die Trennung zwischen Wohn- und Geschäftshaus. Wir erleben an diesem Haus eine „Demokratisierung der Architektur“ in einer Zeit, in der noch eine hierarchisch aufgebaute Monarchie mit ihrer Rangordnung besteht.



Solche Gedanken über die Schönheit von Funktion, die um 1900 nicht nur bei Loos vorkommen, beschäftigt auch die Wiener Secessionisten, die Funktionalität in ihrem Programm an erste Stelle gestellt haben. Auf dem Weg durch die Altstadt von Wien begegnen wir interessanten Geschäften, hinterfragen verschiedene Gebäude auf ihre psychologische Wirkung, sehen uns die Körpersprache von Häusern aus der Zeit um 1900 an. Das Zacherlhaus, das Artariahaus, das Ankerhaus, die Ankeruhr, die Toilettenanlage am Graben sind bei der Führung zu sehen. Das Ende ist einer der bedeutendsten Bauten von Otto Wagner: der Postsparkasse, wegweisend in das 20. Jahrhundert.

Die geistigen Strömungen in dieser Umbruchzeit, das Umdenken weg von der Vergangenheit eine Zukunft zu gestalten, die doch schon nach knapp 20 blühenden Jahren auf lange Zeit verloren gehen sollte, ist Thema der Führung.