Architektur des Lichtes

Romanische Kirchen waren durch Lichtgaden erleuchtet, die mit kleinen Öffnungen in großer Höhe dämmriges Licht spendeten. Welch ein Erlebnis musste es gewesen sein, als die Gotik ihren Ruf „Lasst Licht einströmen“ in Stein umsetzte. Das Licht wurde Symbol für Christus. Was folgte, ist eine Entmaterialisierung der Architektur. Riesige Fensteröffnungen durchlöcherten die mächtigen Wände. Eine neue Bautechnologie musste dafür entwickelt werden. Wie dramaturgisch das Licht doch die glühenden Farben der bunten Glasscheiben atmosphärisch in Szene setzte!

Fenster sind nicht nur Verbindung von innen nach außen, sondern auch – durch Spiegelungen – Abschirmungen von außen nach innen. Sie sind die blanken Augen der Stadt, die Kommunikation entweder möglich machen oder auch abschirmen können.



Licht lässt sich aber auch in Innenräumen durch Spiegel vervielfältigen. Besonders in barocken Schlössern bringen Spiegel nicht nur die Kristallleuchter in strahlende Vervielfältigung, sondern sorgen auch für eine Entgrenzung des Raumes.

Womit setzt man einem Gebäude „ein Licht auf“?

Licht kann auch in Räumen für Bewegung sorgen, weitertreiben oder hemmen. Licht ist in seiner Wirkung auch ein emotionales Element. Schummriges Licht versetzt uns in ganz andere Stimmungslagen als helles, strahlendes Licht. Was bedeuten helle Räume, was dunkle für unser Unterbewusstsein? Wie reagieren Menschen auf Lichteinflüsse? Wie beeinflusst Licht unsere Psyche?

Eine Führung zum Thema Licht kann spannend sein und uns etwas bewusst machen, das wir sonst nicht wahrnehmen würden. Gerade in der dunkelsten Zeit des Jahres, die immer mehr künstlich zur lichtesten wird, lade ich Sie mit diesem Spaziergang zu neuen Erfahrungen ein.

Treffpunkt: Stephansdom, Riesentor